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Mara Wagenführ im studio 01

Nachrichten aus dem Ressort Feuilleton Ihrer Zeitung
Wiesbadener Kurier, vom 03.06.2008


ub. WIESBADEN Flächig-dekorative Muster-Module und eine pastellig-fluoreszente Farbigkeit in Entsprechung zu vordergründig märchenhafter Motivik: Mara Wagenführ, deren aktuelle Selbstporträts derzeit im studio 01 zu sehen sind, scheint dem Mainstream zu folgen. Doch was auf den ersten Blick so angesagt daherkommt, ist subtiles Zitat und damit ebenso theoriewertig wie autobiografisch relevant.

Ästhetik der 70er
Die mit Bedacht gewählte Neo-70er-Ästhetik transportiert Mimikry im Dienste der Authentizität. Geschickt spielen die Selbstinszenierungen der jungen Malerin mit Kunstgeschichte und Psychoanalyse, mit Ethno-Kitsch und den Storys von Andersen und Brother Grimm. Vor undefinierter Kulisse hüllt die junge Frau sich etwa in einen totemhaften Traum-Umhang; das archetypische Selbst, verloren und zugleich geborgen im doppelköpfig züngelnden Schakalmantel, füllt den Bildraum mit Votiv-Symbolen. Zum Selbstbild gehört allerlei Stickerei, zudem schöner Tand und Firlefanz, gemalte Totenköpfe und echte Pailletten, schließlich Madonnenallusionen und die anatomisch korrekte Darstellung des menschlichen Herzens: Besonders die Anspielung auf die Autoporträts der Frieda Kahlo sind kaum zu übersehen - und damit das Konzept einer expliziten Formulierung weiblicher Position, in welcher die spielerisch-subjektive Rezeption von Welt und Selbst ebenso zur persönlichen Identifikation wie zur objektiven Deutung verführt.

bis 19.6., Herderstr. 11, do., 17-19, sa., 15-17

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